Die Wupper gibt es in ihrem heutigen Verlauf schon seit etwa 800.000 Jahren. Wie bei jedem Fluss rankt sich auch um die Entstehung der Wupper eine Sage:
Die Entstehung der Wupper
„Einst schritt ein Gnom, den Stab in zarter Hand, durchs rauhe Land der Berge dahin. Den Menschen Wohltaten zu spenden, war sein unablässiges Bestreben. Allein ihm mangelte es an Speise, denn es war ein Hungerjahr. Da gewahrte ihn ein Weib, und, seine Not erkennend, bot sie ihm würzige Erdbeeren, welche sie im fernen Tale für ihre Kleinen gepflückt hatte. Hoch erfreut aß der Zwerg, gewährte aber dem Weibe aus Dankbarkeit die Gewährung eines Wunsches. Dessen Verlangen war nun nicht auf Gold gerichtet. Darum erbat sie das Wohlwollen des Gnomenkönigs für ihre Kinder und dies rauhe, unwirtliche Land. Der König gewährte die Bitte und befahl dem Weibe, an dieser Stelle zu graben. Kaum hatte es mit der Arbeit begonnen, als ein wasserreicher Quell hervorsprudelte, der munter zu Tal hüpfte. »Dieser Quell«, sprach der Gnom, »wird das Glück Deiner Kinder sein. Denn sein Wasser wird bald zum kräftigen Fluß erstarken, der Segen verbreiten und Gold und Silber hervorzaubern wird. Namentlich wird der Ort beglückt werden, wo Du mir die Erdbeeren gepflückt hast. Weit wird einst der Ruhm Elberfelds durch die Welt dringen. « Dann verschwand der Gnom.“
Für lange Zeit sollte der Gnom Recht behalten. Das Wasser der Wupper war klar, sauber und sauerstoffreich, so dass die Menschen aus einem reichhaltigen Fischbestand schöpfen konnten. Es gab sogar eine Verordnung, nach der Arbeitgeber ihren Bediensteten höchstens vier Mal pro Woche Lachs vorsetzen durften. Die Wupper floss schnell und bewegt. Es gab Stromschnellen, die das Wasser mit Sauerstoff versorgten und ruhige Uferbuchten, an denen Tiere ausruhen und trinken konnten. Die Ufer waren von großen Bäumen idyllisch beschattet und in den Talauen gab es Wiesen und Wälder.
Die Industrialisierung beginnt
Bis ins 16. Jahrhundert nutzte der Mensch die Wupper zur Fischerei und zum Antrieb von Korn- und Ölmühlen sowie zum Betrieb von Schleifkotten und Hammerschmieden. Der Mensch nutzte die Natur ohne zu stark in sie einzugreifen. Das änderte sich im Jahr 1527, als man mit der Garnbleichung begann. Der damalige Herzog von Berg verlieh den Gemeinden Barmen und Elberfeld das Exklusivrecht zum Garn bleichen. Die Wupper war dafür ideal, denn ihr Wasser war weich und klar und auf den angrenzenden Wiesen konnte die Sonne beim Bleichen helfen. Damit begann die Industrialisierung der Gegend. Textilfabrikanten, Färbereien und Webereien siedelten sich an und leiteten ihre Abwässer ungefiltert in den Fluss. Maschinenbau und Metallverarbeitung kamen hinzu und gingen mit der Wupper ebenfalls nicht zimperlich um. Bis zum 19. Jahrhundert war die Wupper derartig verschmutzt, dass es kaum noch Fische darin gab.
Dramatisch wurde die Situation in den Jahren bis zum 1. Weltkrieg. Die hygienischen Zustände waren so schlecht, dass Epidemien folgten. Immer mehr Industriebetriebe siedelten sich an und leiteten salz- und schwermetallhaltige Abwässer in den Fluss. Die Wupper wurde zur stinkenden, schlammigen Kloake.
Der Wupperverband greift ein
Erst 1930 trat mit der Gründung des Wupperverbandes eine Wende zum Besseren ein. Man baute zahlreiche Klärwerke, wodurch sich die Wasserqualität im Lauf der Zeit verbesserte. Bis Mitte der 1980er Jahre kehrten sogar einige wenige Fische in die Wupper zurück. Die Arbeit des Verbandes sorgt systematisch für die Verbesserung und Reinhaltung des Gewässers. Der weitere Ausbau von Klärwerken und Auflagen an Industrie, Gewerbe und Haushalte sorgen für eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität. Heute gibt es wieder mehr Fischarten, Insektenlarven und Kleinkrebse in der Wupper. Der Fluss gesundet langsam aber stetig.
